Doris machte bei ihrer Vorstellung klar, dass ihre Stammleserschaft doch tendenziell älter und es ihre erste Lesung an einer Schule ist. Trotzdem hoffte sie, bei den Schülerinnen und Schülern das Interesse an der Geschichte unseres Tals und am historischen Roman wecken zu können. Denn Doris schreibt unter anderem Bücher, die von der Geschichte unserer Region inspiriert sind. Bisher sind fünf solche Bücher in der Rheintal-Reihe erschienen. Zudem enthalten die Texte dieser Reihe auch immer ein sakrales Rätsel, also ein Rätsel mit einem religiösen Aspekt wie zum Beispiel einer Reliquie, wie man es von Dan Browns Romanen kennt.
Die Burg als Schauplatz
Zum Einstieg stellte sie dem Publikum die Frage, wie viele Burgen im Rheintal in der Zeit des Mittelalters auf beiden Seiten des Rheins von Sennwald bis Bad Ragaz standen. Nach einer kurzen Raterunde verriet sie dann, dass es 13 Burgen waren. Der weitere Verlauf der Lesung folgte dann der Vorstellung dieser 13 Burgen als Schauplatz für ihre Romane in der Rheintal-Reihe. Bei jeder Burg fragte Doris die Schülerinnen und Schüler zuerst, ob sie wüssten, um welche Burg es sich denn handelte. Danach erklärte Doris die Burg sowohl in ihrem historischen Kontext und die Signifikanz der Burg für eines ihrer Bücher. Die Autorin spickte die Lesung auch immer wieder mit spannenden historischen Anekdoten wie dem Diebstahl einer Leiche von Feldkirch, um Pilger zurückzugewinnen.
Die Spur der Gräfin
Den Anfang machte die Burg Werdenberg, die zusammen mit den anderen Burgen der Werdenberger Grafen in Röckles Roman Die Spur der Gräfin auftaucht. Die Autorin nahm die Schülerinnen und Schüler auf eine Reise zu den Burgen mit und schilderte spannende Hintergrundinformationen. So besass Werdenberg im Mittelalter beispielsweise das Marktrecht, damit die Händler auf ihrem Weg über die Alpen halt machen mussten. Trotzdem mussten die armen Bauern in unserer Region monatlich Abgaben leisten.
Anschliessend las Röckle eine Stelle aus dem Roman vor. Darin ging es um die Belmonter Fehde zwischen den Freiherren von Belmont und den Grafen von Werdenberg. In der Textpassage schleicht sich das Werdenberger Heer an Ragaz, wo das betrunkene Heer der Belmonter schläft, vorbei zur Burg Freudenberg. Dort wartet die Führung der Belmonter unter Ulrich Walter von Belmont. Doch bevor es zu einer Auseinandersetzung kommt, wird Ulrich Walter von seiner Gemahlin Floribella von Sax die Treppe hinuntergestossen, woraufhin er verstirbt. Ob es Absicht war oder ein Unfall, wird nicht geklärt. Das Resultat ist aber ohnehin das Ende der Schlacht und der ersten Passage.
Auf Genauigkeit kommt es an
Röckle erklärte den Schülerinnen und Schülern auch, dass man bei historischen Romanen nichts falsch machen dürfe. Ihre Bücher erscheinen bei zwei deutschen Verlagen und vor allem die deutschen Leserinnen und Leser seien sehr genau und würden auch selbst regergieren und nachfragen, ob sich das Ganze so zugetragen haben könnte. Falls sie Fehler entdecken, würden sie diese auch oft prompt über Social Media verbreiten. Zum Glück sei ihr das noch nie passiert, denn das könnte das Ende für sie als Autorin bedeuten.
Die Flucht der Magd
Danach ging der Streifzug durch die Geschichte weiter. So erfuhr das Publikum etwas über die Burgen Sargans und Vaduz und ihre Herren, die in ihrem Buch Das Mündel der Hexe behandelt werden, und über das Geschlecht von Hohensax und ihre Burgen. Diese verloren durch eine Heirat mit den reichen Schellenbergern an Ansehen. Der Roman Die Flucht der Magd spielt 70 Jahre danach und handelt vom Versuch des Freiherren, seinen Titel zu legitimieren. Zentral für dieses Vorhaben ist die Lanze des Longinius, in welcher angeblich ein Stück eines Nagels des Kreuzes Jesu Christi eingearbeitet wurde. Die Lanze ist im Besitz seiner Familie und in der zweiten Textpassage, die Röckle vorlas, besucht der Freiherr das Versteck der Lanze in einer Höhle hinter einem gefrorenen Wasserfall.
Geschichte(n) erleben
Den Abschluss der lehrreichen Vorlesung machte Röckle mit der Burg Gutenberg, welche Schauplatz im neuesten Roman der Rheintal-Reihe Der Wagemut der Burgtochter ist. Der Versuch, die Geschichte unseres Tals zum Leben zu erwecken, ist ihr auf eindrückliche Art und Weise gelungen.
Text: Fabian Kindle, Bibliothekar
Fotos: Eugen Nägele