Schon zu Beginn beeindruckte Künne mit seiner engagierten und lebendigen Art. Beim Blick auf seinen beruflichen Werdegang wurde deutlich, wie breit seine internationale Erfahrung ist: Seit 1993 war er unter anderem in Kopenhagen, Seoul, Brüssel, Vilnius und in Tschechien tätig.
Im Hauptteil des Vortrags erläuterte Künne die Vielseitigkeit diplomatischer Arbeit. Diplomatie bedeute weit mehr als Verhandlungen zu führen; sie erfordere den Aufbau von Vertrauen, die Entschärfung von Konflikten und die Pflege langfristiger Beziehungen. Gleichzeitig vertritt ein EU-Diplomat die Interessen der EU nach innen und aussen und informiert die Öffentlichkeit über politische Entwicklungen – etwa darüber, weshalb Liechtenstein trotz seiner geringen Grösse ein wichtiger Partner bleibt.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Grundzielen der Europäischen Union. Frieden, Demokratie und die enge Zusammenarbeit der mittlerweile 27 Mitgliedstaaten bildeten dabei den Kern. Künne hob zudem Vorteile wie die gemeinsame Währung, die Personenfreizügigkeit im Schengenraum und die wirtschaftliche Kooperation hervor.
Zum Abschluss richtete Künne den Blick auf die internationale Lage. Er sprach über den Krieg in der Ukraine, der 2014 mit der Annexion der Krim begann und seit 2022 massiv eskalierte, sowie über die zunehmende Zahl autoritärer Regierungen weltweit. Europa und seine Demokratien müssten daher, so Künne, geschlossen auftreten, um ihre Sicherheit künftig stärker selbst zu gewährleisten und ein verlässliches Fundament für Frieden und Zusammenarbeit zu schaffen.
Dieser Gedanke ist auch eines der zentralen Ziele der berühmten Schuman-Erklärung vom 9. Mai 1950. Deshalb feiern viele Länder in Europa den Europatag, so auch Liechtenstein und das Liechtensteinische Gymnasium.
Text: Louis Klobucar, 6Ws
Fotos: Eugen Nägele