Kennenlernen konnten sich die Jugendlichen des LG und der Partnerschule bei einem Outdoor Escape Game am Montag in fünf durchmischten Gruppen, bei dem sie sich auf eine zweistündige Mission durch Potsdam begaben. Dabei nutzten sie je ein iPad und einen Missionskoffer, der alle notwendigen Materialien enthielt, um die Rätsel zu lösen. Nach der Mittagspause trafen sich alle im Museum Barberini, dessen Gebäude in Anlehnung an das Potsdamer Palais Barberini von der Hasso Plattner Foundation gebaut wurde. Darin befinden sich nicht nur über 100 wertvolle Gemälde von Impressionisten, sondern auch zahlreiche Gemälde der Moderne.
Am Dienstag ging es früh los, denn die Schülerinnen und Schüler des LG besuchten das Potsdamer Filmgymnasium und erhielten einen kleinen Einblick in den Unterricht. Das Besondere an dieser Schule ist, dass es sich hierbei um das Filmgymnasium Babelsberg handelt. Ein historischer Einblick in die Geschichte Potsdams durfte auch nicht fehlen, deshalb besichtigen sie das Schloss Cecilienhof im Neuen Garten und sie erfuhren viel über die Teilung Deutschlands, die Potsdamer Konferenz, bei der sich Stalin, Truman und Churchill trafen und über die Zukunft Deutschlands am eigens für die Konferenz angefertigten runden Tisch verhandelten. Das im Tudorstil gehaltene Schloss war allerdings vom letzten Kaiser für seinen ältesten Sohn, den Kronprinz Wilhelm, und dessen Gattin Cecilie von Mecklenburg-Schwerin erbaut worden.
Nach den Einblicken in die preussische Ära und Teilungsgeschichte Deutschlands besuchten die Jugendlichen am Mittwoch die Gedenkstätte Lindenstrasse, die ab 1945 als Zentrales sowjetisches Geheimdienstgefängnis und später als Untersuchungsgefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit (MFS) im Zentrum Potsdams diente. Sie konnten noch mehr hierzu erfahren durch den Zeitzeugen Bernd Richter, der als ehemaliger Insasse als Jugendlicher nach seiner missglückten „Republikflucht“ als politisch Gefangener in diesem Gefängnis einsass. Er berichtete von sehr menschenunwürdigen Haftbedingungen in dem sowjetisch kontrollierten Untersuchungsgefängnis für politisch Gefangene. Die hier angewandten Methoden wurden auch vom Ministerium für Staatssicherheit übernommen. Sein besonderes Anliegen war jedoch die Information über die Leistungssteigerung von Leistungssportlern mit ungetesteten Präparaten bei bestimmten Disziplinen im Sport, die bei ihm einen irreversiblen Schaden hinterlassen haben. Er wollte als Hammerwerfer an den Olympischen Spielen teilnehmen, aber ihm wurde kein internationaler Ausweis ausgestellt, weswegen er fliehen wollte.
Am Donnerstag ging es mit einer geführten Tour durch Berlin weiter. Erster Stopp war die Berliner Mauer, wo die Schülerinnen und Schüler die Gedenkstätte von Günter Litfin besuchten. Danach fuhren sie zum Regierungsviertel und betrachteten die schönen und historischen Gebäude und erfuhren mehr über die Geschichte Berlins. Nach der vierstündigen Tour und dem körperlich strengen Tag assen sie gemeinsam mit den Potsdamerinnen und Potsdamern und liessen den Abend gemütlich ausklingen.
Leider war am Freitag auch schon der letzte Tag des Austauschs, der von ERASMUS+ gefördert wurde, und die Schülerinnen und Schüler mussten sich nicht nur von den Städten verabschieden, sondern auch von den ins Herz geschlossenen Potsdamerinnen und Potsdamern.
Text: Johannes Laternser, Alexander Rutz, Anke Nowak
Fotos: Anke Nowak, Larissa Bonderer