Werther liebt Lotte. Da ist er sich sicher. Er kann an niemand anderen mehr denken als an Lotte. Lottes Haare. Lottes Geruch. Lottes Standort. Lotte, Lotte, Lotte. Und Lotte? Die mag ihn irgendwie auch, aber es gibt da noch jemanden: Albert. Der Junge, mit dem Lotte eigentlich zusammen ist und der sich gerade für einen Schüleraustausch in Frankreich befindet, aber nach dem Sommer wiederkommt. Lotte ist sich (fast) sicher. Sie liebt ihren Freund Albert. Doch Werther weiss, was er will. Ein Sommer. Eine Nacht. Eine Berührung. Dann ist Albert wieder da. Und schon befindet sich Lotte in einem Strudel aus Gefühlen und Gedanken. Wird sie da heil wieder herauskommen?
Das von Goethes bekanntem Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“ inspirierte Theaterstück hat mich ziemlich überrascht. Ich war erstaunt, wie gut die Theatergruppe des Theaters Strahl in Berlin die alte Geschichte mit dem heutigen Alltag ergänzt und zu einer neuen Geschichte umgeformt hat. Die Darstellungen der Gedanken des jungen Werthers haben mir persönlich sehr gut gefallen, da man das Gefühlschaos in ihm schön veranschaulicht bekommen hat und so seine Aktionen dadurch besser nachvollziehen konnte. Das Highlight am ganzen Stück war für mich, dass sich die neue Version auch mit Themen wie Stalking, Obsession und Blindheit vor Liebe auseinandergesetzt hat. Die Liebe zu Lotte hat Werther blind gemacht. Seinen Verstand ausgeschaltet. Er würde alles tun, um sie für sich zu gewinnen. Das Theaterstück hat deutlich gemacht, wie eine ungesunde Obsession schnell eskalieren kann.
Alles in allem regt das Theaterstück zum Nachdenken an und zeigt auch die Schattenseiten von (ungesunder) Liebe. Ein Besuch des Theaterstücks lohnt sich auf jeden Fall!
Text: Ela Bicer, 3B
Fotos: Jörg Metzner