So hat sich dieses Konstrukt, das ursprünglich „nur“ aus Deutschland, Frankreich, Italien und den Benelux-Staaten bestand, weiterentwickelt. Es hat heute 27 Mitgliedstaaten, seit Grossbritannien vor einiger Zeit ausgetreten ist. Dann kam er zu einem wichtigen, aktuellen Thema: der Ukraine respektive dem dort stattfindenden, völkerrechtswidrigen Angriffskrieg. Die EU hat der Ukraine mehr als eine Milliarde Euro an Hilfsgeldern zugesprochen, zusätzlich zu den mehreren hundert Millionen Euro humanitärer Hilfe. Und die EU hat zum ersten Mal in ihrer Geschichte einem Land militärische Hilfe gegeben in Form von Fahrzeugen, Munition und Waffen. Dieser Krieg hat auch grosse Auswirkungen auf die EU, denn Russland versucht, die Demokratie in einem Nachbarland zu unterdrücken. Daher hat die EU Sanktionen beschlossen, die Russland schwächen sollten. Das sechste Sanktionspaket wurde gerade diskutiert. Die Situation in der Ukraine stärkt die EU aber auch, denn die EU funktioniert nur, wenn die Mitgliedstaaten eine geschlossene Front bilden. Der Krieg in der Ukraine, so schlimm die Situation auch ist, eint die EU.
Dann durften die Schülerinnen und Schüler Fragen stellen.
Viele gute Fragen und gute Antworten kamen zustande. So wurde beispielsweise gefragt, was denn die grösste Stärke und was die grösste Schwäche der EU sei. Mavromichalis‘ Antwort war, dass die grösste Stärke die Einheit der EU und der starke Binnenmarkt sei, dass so auch kleinen Staaten (wie eigentlich alle Staaten in Europa, vor allem verglichen mit den USA oder China) eine wichtige weltpolitische Rolle zukommt im Rahmen der vereinten Wirtschaftsmacht der EU. Die grosse Schwäche der EU ist aber auch die Einheit, beziehungsweise, wenn diese nicht da ist. Wenn Staaten blockieren, können Projekte mitunter nur beschränkt oder gar nicht durchgeführt werden.
Genau wie wir uns, verändert sich auch die EU stetig und passt sich neuen Herausforderungen an, sei es während der Pandemie, als sie allen Mitgliedstaaten Impfstoff zu fairen Preisen anbot, oder jetzt im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine, in dem sie geschlossen die Ukraine unterstützt. Die EU steht seit nun circa 70 Jahren für Frieden ein. In dieser Zeit gab es in keinem Land, das schon in der EU war, Krieg. Jahrzehntealte Rivalitäten wie die zwischen Deutschland und Frankreich traten in den Hintergrund und das friedliche Zusammenleben wurde und wird gestärkt.
Am 9. Mai 1952 schlossen sich die ursprünglichen Mitgliedstaaten zusammen. Dieser weltweit einzigartige Staatenbund steht für Frieden und Wohlstand ein, und das nun schon seit 70 Jahren.
Text und Bild: Paul Anderegg, 5Sb