Es war einmal eine glückliche kleine Familie im Lande Liechtenstein, genauer genommen in Schaan. Die Familie bestand aus Mama Linde, Papa Gustav und ihren zwei Kindern Amalia und Alex.Amalia dachte, sie wäre eine Hexe und braute sich jeden Tag irgendeine Grütze mit Spaghetti, Avocado und Müsliriegeln. Alex hingegen war sehr still, intelligent, er experimentierte gerne und sein Hobby war Drachenbauen. Das ging nicht immer gut und er verbrannte sich oft die Finger mit Heissleim, denn er hatte viel zu viel Angst vor dem Heissleim, um ruhige Finger zu haben. Mutter Linde war sehr abergläubisch und sie liebte die Weihnachtszeit, da man dort so viele Kekse backen konnte, und laut ihr war das die harmonischste Zeit im Jahr. Vater Gustav war Jäger und liebte die Natur und die Tiere.
Dementsprechend hatten sie auch sehr viele Tiere, genau genommen 23: 10 Goldfische (namenlos), 4 Katzen (Muli, Lolli, Scholli und Rolli), 5 Huskys (Blacky, Jack, Beni, Wölfle, Anya). Dazu kamen noch eine Schlange (Flavio) und noch drei Laufenten (Tick, Trick und Track). Familie Meier hatte also jeden Tag viel zu tun mit 23 Tieren.
An jenem Tag war Ferienanfang und Amalia lief fröhlich mit ihrem Bruder nach Hause. Es war ein richtiger Sommernachmittag, die Luft war stickig und es war unerträglich heiss. Sie liefen an der nach Würstchen stinkenden Imbissbude vorbei, danach über den spitzigen Zaun, wo sich Amalia schon ach so viele Male die Hose aufgerissen hatte, vorbei am unermüdlich kläffenden Chihuahua des Nachbarn. Schliesslich kamen sie vor ihrer Haustür an. Zu Hause war es angenehm kühl und Alex streifte sich mit dem Ärmel den Schweiss von der Stirn. Am nächsten Tag würde die Familie Meier ins Freibad zum Abkühlen gehen, denn es sollte 32 Grad haben und in dieser Hitze im Haus bleiben und verschmoren, nein danke! Der Tag klang noch unspektakulär aus mit einem leckeren Abendessen und viel Gelächter. Später am Abend bastelte Alex noch ein wenig an seinem Drachen herum und schlief am Tisch ein…
Am nächsten Morgen wachten die Geschwister auf und packten ihre Schwimmsachen ein: Taucherbrille, Badeanzug, Schnorchel und viel zu viel Vorfreude. Dann ging es los, ab ins Freibad! Dort angekommen, hüpften die zwei Geschwister schon ins Wasser und planschten stundenlang im Becken. Die Zeit verging viel zu schnell und schon war es halb sechs. Ausgelaugt und müde vom ganzen Schwimmen liefen sie zurück zum Fahrradständer und fuhren nach Hause. Dort angekommen, gab es leckeren Wassermelonensalat mit Feta und Avocado – und das war erst der erste Tag der Ferien! Müde ging die Familie ins Bett und schlief schnell ein.
Am nächsten Morgen blinzelte Amalia müde aus ihrer Bettdecke und stand dann langsam auf. Sie ging runter zum Esstisch, wo normalerweise ihre Mutter mit einem Kaffee sass. Sie ging zur Sicherheit nochmal runter in die Waschküche … Aber: Nichts, ihre Eltern waren nicht im Haus, und langsam machten sie sich Sorgen. „Mama! Papa!“, rief sie wimmernd und rannte zu ihrem Bruder rauf ins Bett. Amalia weckte ihn recht grob. Sie erzählte Alex alles und fing an zu weinen, doch Alex schien das nicht zu kümmern und drehte sich auf die andere Seite. Das machte Amalia wütend und als Alex das laute Geschrei nicht mehr aushalten konnte, stand er auf und sagte, dieses Geschrei würden sogar ihre Eltern hören. Er ging nach unten. Nachdem er sich auch versichert hatte, dass ihre Eltern weg waren, sass er mit seiner Schwester sehr verzweifelt am Boden. Doch als Alex einen Blick aus dem Fenster warf, blieb ihm der Mund offenstehen. Er tippte immer noch mit offenem Mund und zum Fenster gerichteten Kopf seine kleine Schwester an und beide sahen die grosse Verwüstung. Draussen war die Hölle los, irgendwelche elektronischen Teile flogen durch die Luft und alles war voller Roboter!
Die Geschwister rannten zurück in ihr Zimmer und versteckten sich unter der Bettdecke. Alex zog eine Taschenlampe aus seinem Hosensack und machte sie an. „Es muss ein Plan her!“, sagte Alex verzweifelt und biss sich nachdenklich auf die Unterlippe. Nach langen 225 Minuten unter der Bettdecke mit qualmendem Kopf und stickiger Luft kamen sie immer noch auf nichts. Enttäuscht und ängstlich schlurfte Amalia in die Küche und braute zur Ablenkung einen Zaubertrank. Die Zutaten kritzelte sie immer in den Notizblock ihres Papas. Doch weil er schon so vermalt war, hatte er ihr den Block zum letzten Weihnachtsfest geschenkt. Sie nahm die Rührschüssel heraus und begann Soyasauce, Raclette-Pulver, Apfel, Hühnchenbrust, Skittels und einen Schluck Bier einzurühren. Danach klappte sie das Buch zu und nahm den Mixer und pürierte das leckere Gebräu in der Schüssel.
Da kam Alex in die Küche und legte sein Handy auf die Küchenablage. Amalia holte ein Glas und füllte das Gemisch ab, doch ein Tropfen flog auf das Handy von Alex und sie wischte es weg. Doch danach, als sie ihm das Handy bringen wollte, war es weg! Sie dachte, dass er es vielleicht selbst schon geholt hatte. Sie fragte ihn und er verneinte diese Frage. Da fiel es ihr wie Schuppen von den Augen und sie nahm den Becher mit ihrem Zaubertrank und legte etwa ein Dutzend Sachen auf die Küchenablage. Amalia nahm sich einen schlichten Pinsel aus der Küche und tropfte auf jeden Gegenstand einen Klecks. Sie stellte fest, dass die elektronischen Sachen verschwanden und die normalen Sachen, etwa ein Teddybär, eine Feder oder ein Kugelschreiber, an Ort und Stelle blieben. Amalia erzählte die überraschende Nachricht ihrem Bruder und der konnte es selbst gar nicht glauben. Er wusste nicht, ob er wütend sein sollte, weil sein Handy weg war, oder ob er glücklich sein sollte, weil sie jetzt ein Gegenmittel hatten.
Doch jetzt konnten sie anfangen mit dem richtigen Plan! Er ging so: Zuerst baute Alex den grössten Drachen, den er je gebaut hatte, im Keller wieder auf. Danach füllte Amalia den Zaubertrank in alle Glasreiniger-Sprühdosen, die sie zu Hause vorfanden. Als sie all das in den Keller gestellt hatten, holte Alex die Werkzeugkiste aus dem Abstellraum und montierte die zwei Duschköpfe ab. Jetzt ging es an das Montieren! Denn wenn man die Glasreiniger-Sprühdosen aufmachte, passten sie perfekt auf den Duschkopf. Das hatten die zwei Geschwister herausgefunden, als sie zusammen das ganze Haus ihrer Eltern geputzt hatten und Alex die grossartige Idee hatte, zwecks Zeitersparnis die Fenster auf diese Art und Weise zu putzen. Sie setzten den Duschkopf auf den offenen Glasreiniger-Deckel, befestigten ihn mit Panzertape hinten am Drachen und packten noch Proviant ein. So, jetzt war der handwerkliche Teil gemacht und nun mussten sie nur noch die Roboter unter die Lupe nehmen. Das machten sie ganz einfach mit einem Fernglas von Alex, das er damals im Walterzoo gekauft hatte.
Sie beobachteten abwechselnd durch die Vorhänge des Fensters die schwirrenden, laufenden, krabbelnden und rollenden Roboter. Doch die Roboter hatten etwas gemeinsam: Sie hatten alle ein rotes Kreuz auf der Brust oder auf dem Rücken, das natürlich für die Schweiz steht, erklärte Alex seiner kleinen Schwester. Nun wussten sie alles und hatten einen überzeugenden Plan für die Vernichtung der Roboter aufgestellt. Also los geht’s! Sie zogen noch ihre Taucherbrille über die Augen, da sie sonst nichts sehen würden wegen Wind und Wetter. Doch bevor sie gehen konnten, machte Amalia es allen Tieren im Haus gemütlich. Den 10 Goldfischen schüttete sie dreimal so viel Flocken wie nötig in den Tank und schaltete den selbstgemachten elektrischen Scheibenputz-Roboter an. Dann ging sie zu den vier Katzen und stellte ihnen mit einer Schnur das Katzentürchen auf, so dass sie zu jeder Zeit rausgehen konnten. Weiter ging‘s zu den fünf Huskys, denen Amalia wie den Goldfischen dreimal so viel Futter in die Futterautomaten wie normal gab. Der Schlange legte sie zwei tote Ratten ins Gehege und den drei Laufenten warf sie Körner ins Aussengehege und sammelte ein Dutzend Tauschnecken im Garten für die Extraproteine. Als Amalia sicher gehen konnte, dass es allen Tieren gut ging, konnten sie dann nach einer halben Ewigkeit auch losgehen.
Jetzt ging es aber rund: Amalia links, Alex rechts am Drachen. Sie marschierten wie Ameisen mit einem Efeublatt den Hügel hinauf, der genau neben dem Haus von ihnen war. Langsam wurde es schwer mit den zwei prall gefüllten Rucksäcken und einem Drachen über den Schultern, der aus Karton, Holz und Folienpapier bestand. Trotz allem stapften sie weiter aufwärts. Auf dem Hügel, den sie erklommen hatten, lag ein grosser Stein in der Mitte. Amalia zurrte den Rucksack fest und setzte die Taucherbrille auf. Alex baute den Drachen auf und stellte ihn auf den Stein. Amalia links - Alex rechts. Beide holten eine Flasche Glasreiniger-Sprühdose raus und zählten bis drei. Nur noch einmal tief einatmen und dann ging es los.1…2…3…LOOOOOOOOOS! Und da sprangen sie schon den Hügel runter. Gefährlich tief flogen die beiden da. Immer tiefer und tiefer, bis ihnen der Boden fast zum Greifen nah war! Doch in der letzten Sekunde zog Alex den Drachen nach oben und sie schossen durch die Luft. Die Mission startete gerade erst und beide Geschwister waren schon jetzt komplett im Schockzustand. Es dauerte nicht mal 10 Minuten, bis sie über der Schweiz flogen und anfingen, den Zaubertrank zu versprühen. Langsam, aber sicher merkten die beiden, dass sie sich der Hauptzentrale dieses ganzen Tumults näherten. 7 Sekunden, bevor sie über der Zentrale waren, warteten sie die längsten 7 Sekunden ihres Lebens. Dann schütteten sie das ganze Gebräu auf die Zentrale und eine riesige violette Wolke entstand. Nun waren alle Roboter verbannt und konnten keinen Schaden mehr anrichten. Als sie die Schweiz ohne die ganzen Roboter sahen, sah sie genauso neutral aus wie immer.
Der Rückflug nach Hause dauerte eine halbe Stunde und Amalias Hände zitterten schon, da sie sich so anstrengte, um sich am Drachen festzuhalten. Als sie endlich wieder auf demselben Hügel standen, atmeten sie erst einmal durch, bevor sie die Reise nach unten starteten. Es dunkelte schon, als sie die Einfahrt ihres Hauses erblickten. Ihre Füsse taten weh und ihre Kleider waren verschwitzt. Doch sie hatte ihr eigenes und ihr Nachbarland gerettet! Als sie zu Hause ankamen, schien es so, als hätte jemand die Zeit gestoppt bei ihren Eltern. Sie standen nämlich in der Küche und kochten Abendessen, als wäre nichts passiert. Die beiden Geschwister schauten sich an und grinsten schief.
Sie schliefen hundemüde und kaputt von der Expedition ein. Am nächsten Morgen rannte Amalia wie ein Hühnchen zum Briefkasten. Im Milchfach fand sie einen goldenen Brief. Darauf stand: „Vom Förscht!“ Sie rannte zurück zu ihrem grossen Bruder. Sie öffneten ihn wie ihr Geburtstagsgeschenk. Ein Liechtensteiner hatte die ganze Rettungsaktion aufgenommen und dem Fürsten gezeigt. Der war so ausser sich vor Dank und Stolz, so dass er ihnen lebenslänglich freie Eintritte in das Freibad schenkte. „Besser könnte es nicht werden!“, schrien die beiden. Und so war die Geschichte der höllisch komischen KI-Roboter-Apokalypse auch schon zu Ende.
Text: Clara Hilbe, 1B
Bild: KI, Clara Hilbe, 1B