Nacheinander präsentierten die vier Komitees ihre erarbeiteten Postulate vor dem Plenum, stellten sich kritischen Fragen und lieferten Speeches in favour oder against. Die Atmosphäre war gespannt, die Debatten waren engagiert und die Argumente auf beiden Seiten oft überzeugend.
Die Postulate im Überblick
Komitee 1 (Gletscher) schlug vor, die sogenannten Gletschervorfelder, jene Landflächen, die durch das Abschmelzen der Gletscher freigelegt werden, als Naturparks unter Schutz zu stellen. Bis 2100 werden rund 90 Prozent der Alpengletscher verschwunden sein; auf dem zurückbleibenden Land könnten einzigartige neue Ökosysteme entstehen, die es zu schützen gilt.
Komitee 2 (Energiewende) präsentierte gleich zwei Ideen: «Dam good solar» schlägt vor, die steilen Frontseiten bestehender Staudämme mit Solaranlagen zu bestücken. «Watt's in the water» wiederum nutzt bestehende Trinkwasserleitungen in Bergdörfern, um durch kleine Mikroturbinen am niedrigsten Punkt des Leitungsnetzes sauberen Strom zu erzeugen, ganz ohne neue Infrastruktur oder Eingriffe in Ökosysteme.
Komitee 3 (Klimabildung) stellte zwei Postulate vor: «Graduate with impact» fordert ein obligatorisches Klimaprojekt als Abschlussvoraussetzung an Schulen, inspiriert vom CAS-Projekt, aber mit klarem Umweltfokus. «Module nature» verlangt ein verpflichtendes Ausbildungsmodul für Bergführer, Skilehrer und Trainer, das ihnen vermittelt, wie sie die Natur in ihrer Arbeit schützen und diese Haltung an ihre Kursteilnehmer weitergeben können.
Komitee 2 glänzt mit Claudio Hoop an der Spitze
Besonders erfolgreich schnitt Komitee 2 ab, das unter anderem von Claudio Hoop mitgeleitet wurde. Die beiden Energiepostulate überzeugten das Plenum mit ihrer Praxisnähe und ihrer Anknüpfung an bestehende Infrastruktur. Beide Vorschläge erhielten in der Abstimmung breite Zustimmung, ein verdienter Erfolg für ein Komitee, das die schwierige Balance zwischen technischer Machbarkeit und ökologischer Verantwortung überzeugend meisterte.
Und jetzt?
Mit der Abstimmung und der Abschlusszeremonie endete das YPAC 2026 offiziell. Doch die Arbeit hört hier nicht auf. Nun ist es an der Liechtensteiner Delegation, die Ergebnisse nach Hause zu tragen und publik zu machen. Denn genau das ist der Anspruch des YPAC: nicht nur diskutieren, sondern bewegen.
Was bleibt, sind aber nicht nur Beschlüsse und Dokumente. Die Begegnungen mit Gleichaltrigen aus anderen Alpenländern, Menschen mit denselben Sorgen und demselben Antrieb, hinterlassen einen bleibenden Eindruck. In den gemeinsamen Abenden, den langen Debatten und den spontanen Gesprächen zwischen den Sitzungen entstand etwas, das über die Konferenz hinausreicht: ein Netzwerk junger Menschen, denen der Alpenraum am Herzen liegt. Und vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus Chamonix: Man ist mit diesen Fragen nicht allein.
Text: Tom-Louis Benndorf, 6Na
Fotos: Tom-Louis Benndorf, 6Na, Matthias Gappisch, Monica Derungs